Zeitungsinterview

vom 20. Juni 2012 mit Simone Bischof, Redakteurin beim ”Nordberliner”

Erst Heilpraktikerin, jetzt auch Verlegerin: Cara Rasmuss im Interview.

„Manchmal sind uns die Texte nur so aus dem Stift geflossen“

Sie sind Heilpraktikerin mit eigener Naturheilpraxis. Weshalb haben Sie sich jetzt noch einen eigenen Verlag aufgebürdet?
C. Rasmuß: Angefangen hat es vor eineinhalb Jahren. Damals habe ich mich in einem Meditationszentrum in Passau aufgehalten und eine Laienpraktizierende, Tara Schmidt, kennengelernt. Wir haben festgestellt, dass wir beide Gedichte schreiben und uns gegenseitig vorgelesen. Mit ihren Texten, den meinigen und der Kamera war der Anfang für ‚Die Magie des Jetzt‘ gesetzt. Ich bewege mich gerne auf allen Vieren, im mikrokosmischen Bereich, deshalb gibt es so viele Nahaufnahmen aus der Natur in diesem Buch. Wie tiefgreifend neue Bilder für die Heilung sind, wusste ich schon. So wie Beifuß, der tief ins Muskelgewebe geht, gehen Bilder tief ins Bewusstsein. Freunde und Familie waren gerührt von der Synthese zwischen Wort und Bild und sagten ‚Das müsst ihr rausbringen‘. Aha, rausbringen, na schauen wir mal, dachte ich damals. Aber meine Familie beharrte darauf, sagte immer wieder ‚Ihr müsst euch an einen Verlag wenden.‘ Aber mein Herz und meine Intuition haben nein gesagt. Stattdessen am besten selber machen. Im Januar habe ich mit den Vorbereitungen angefangen. Seit Mai gibt es nun den Rasmuß Verlag. Bei Lesungen merke ich an den Reaktionen und sich verlängernden Bestelllisten: Alles richtig gemacht.
Gab es Hürden?
Wie mit allen Dingen, die man zum ersten Mal macht, war es nicht die leichtfüßigste Aufgabe. Doch wenn die Dinge langsam wachsen, sind sie gehaltvoller. Es war eine schöne Übung, sich von Geschwindigkeit zu trennen und zu sagen ‚Es kommt‘. Vom Prinzip her ist es nicht besonders schwierig, einen Verlag zu gründen. Im Verzeichnis lieferbarer Bücher sind wir auch schon gelistet.
Wovon handeln die Texte?
In ‚Die Magie des Jetzt‘ drehen sich die Texte darum, zur Ruhe zu kommen und zu erfahren, was Heilung bedeutet. Es ist ein sehr schönes, heilsames und freudvolles Buch, und es ist wunderbar, die darin enthaltenen Gedanken mit anderen zu teilen. Manchmal sind uns die Texte nur so aus dem Stift geflossen und wir hatten das Gefühl, dass eine ganze Gruppe daran schreibt. Das Interesse ist sehr groß. Inzwischen liefere ich Ansichtsexemplare und zur Kommission an Buchhandlungen in Pankow, Hermsdorf, Prenzlauer Berg und Schöneberg, in manchen liegen sie schon im Schaufenster.
Es gibt ein zweites Buch.
‚du – sie – wir – Alles ist möglich‘ ist eine Bilderreise in unser Menschsein. Dazu inspiriert hat mich eine Reise nach Israel und Palästina im vergangenen Jahr. Die Texte stammen nicht von uns selbst, sondern aus den heiligen Schriften und unter anderem von Yitzhak Rabin, Jassir Arafat, Khalil Gibran, Thich Nhat Hanh und Albert Einstein. Ich habe nur eine kleine Einführung geschrieben. Einen Dank für die Besonderheiten, die wir erleben durften mit den Bewohnern aus Israel und Palästina, die zusammen leben mit einem tiefen Friedenswillen und die versuchen, im Austausch zu bleiben, obwohl es manchmal untersagt ist. Viele von ihnen treffen sich sonst nur an Straßensperren und dennoch versuchen sie, sich die Freude am Leben zu bewahren.
Wie kam es zu dieser Reise?
Das Meditationszentrum, das ich anfangs erwähnte, hat mich eingeladen. Das Team arbeitet dort mit arabischen Kindern und Inhaftierten. Außerdem gibt es Gemeinschaften nach den Lehren des buddhistischen Zen-Meisters Thitch Nhat Hanh, so genannte Sanghas, in Jerusalem und Tel Aviv. Dort kommen die Menschen aus aller Welt zusammen, auch Israelis, Araber und arabische Israelis. Das Ziel, oder vielmehr der Weg, ist, die friedvollen Potenziale in uns zu entdecken, damit wir nicht von unserer Wut oder Hass davongetragen werden, was für alle, auch für einen selber, verletzend sein kann. Die Menschen dort sind mir ans Herz gewachsen. Ich denke oft an die Zeit, in der ich viel gelernt habe. Bis dahin kannte ich Israel und Palästina nur aus den Medien und nicht immer im besten Zuammenhang. Dieses Bild hat sich komplett verändert.
Sind Sie alleine gereist?
Nein. Mit meinem 85-jährigen Vater. Er und meine Mutter wollten immer einmal nach Israel reisen. Doch nachdem sie im letzten Jahr gestorben ist, hat sich dieser Wunsch nicht mehr erfüllt. Als die Einladung kam, sagte ich zu ihm ‚Komm, du hast die Energie, wir machen das jetzt‘. Mein Vater hat 40 Jahre lang als Geschichtslehrer gearbeitet und war immer interessiert.

C ara Rasmuß. Foto: privat

die Dinge so zu erzählen, wie sie sich zugetragen haben. Für die Menschen dort war die Begegnung mit ihm auf dreierlei Weise beeindruckend. Es war jemand da, der den Zweiten Weltkrieg miterlebt hat. Mein Vater war damals 18, desertierte und hat sich bis zum Ende des Krieges durchgeschlagen. Dann sein Alter. Er ist sehr fi t und hat nach dem Verlust im vergangenen Jahr trotzdem seine Lebensfreude zurück erlangt. Zum dritten hat fasziniert, dass Vater und Tochter zusammen reisen, ohne dass man sich nach einer Woche zerfleischt. Insgesamt waren wir einen Monat dort.
Gibt es Gemeinsamkeiten in beiden Büchern?
Beide sollen helfen, Schönheiten in sich zu entdecken. Alles, was wir brauchen, auch zu unserer Heilung und unserem Glück, ist in uns. Wir freuen uns, wenn Worte und Bilder uns wachküssen. Oft sind es nur unsere Gedanken, die so schrecklich sind. Sind diese Gedanken weg, ist es nicht mehr so schlimm. Hat man das verstanden, kann man zur Ruhe kommen.
Die Fotos sind erstaunlich und faszinierend. Haben Sie die Kamera immer bei sich?
Meine Kamera ist immer mit dabei, wir sind sehr gut befreundet. Ich liebe es zu fotografieren. Das ist wie ein zweiminütiger Kurzurlaub für mich.
Gibt es Anfragen anderer Autoren, die bei Ihnen verlegen möchten?
Ja, für zwei Kinderbücher.
Frau Rasmuß, ich danke Ihnen für das Gespräch (mit Cara Rasmuß sprach NORD-BERLINER- Redakteurin Simone Bischof).
Weitere Infos unter www.rasmussverlag.com, Telefon 88 6687 86 oder 0179 548 49 74.